Wieso der Klimaschutz die Sozialdemokratie braucht

Oder: Wieso Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise ohne sozialdemokratische Werte Ungleichheiten verschärfen

Ein Gastbeitrag von Angelina Sax

Die Klimakrise wird nicht von allen Menschen auf dieser Welt zu gleichen Teilen verursacht und es werden auch nicht alle gleich davon betroffen sein. Menschen in industrialisierten Ländern und mit mehr Einkommen stoßen mehr CO2 aus wie Menschen in Entwicklungsländern oder Menschen mit weniger Einkommen. Personen mit mehr Geld werden sich auch teurere Lebensmittel oder Klimaanlagen leisten können, Personen mit einem niedrigeren Einkommen werden sich schwerer tun.

Die Klimakrise ist kein reines „Umweltproblem“, sie frisst sich in alle Bereiche unserer Gesellschaft hinein und ist ein zutiefst soziales Problem. Eine Politik, die ein gutes Leben für alle Menschen einfordert, muss daher die Klimakrise bekämpfen. Aber nicht nur das OB, sondern auch das WIE muss diskutiert werden. Wieso für diese Fragen die sozialdemokratische Brille wichtig ist, möchte ich kurz anhand einer kleinen Rechnung demonstrieren.

Klimakrise – Sozialdemokratie

August 2050: In Wien hat es im Sommer an manchen Stellen über 42 Grad, die Lebensmittelpreise sind aufgrund der Dürre in den vergangenen Wochen dramatisch gestiegen. Klimaanlagen können sich nur wenige leisten, da der Strompreis und die Nachfrage zu hoch sind. Ein paar Privilegierte machen Urlaub an der Nordsee. Die arbeitenden Menschen in Wien sitzen schwitzend in ihren Büros.

Klimakrise + Sozialdemokratie

August 2050: In Wien hat es im Sommer an manchen Stellen über 42 Grad. Die Lebensmittelpreise konnten sich halten, da Wien aufgrund einer langfristigen Strategie zur Lebensmittelnahversorgung Gemüse und Obst aus naheliegenden Gebieten beziehen kann. Die Menschen haben in ihren Wohngebäuden Gemeinschaftsflächen, um dort zu entspannen oder auch selbst Lebensmittel anzubauen. Den Menschen in Wien stehen kostenfreie Flächen zur Verfügung um sich im Park, an der alten Donau oder im renaturalisierten Wienfluss abkühlen zu können. Das weit ausgebaut österreichische und europäische Bahnnetz ermöglicht es ihnen für ein paar Tage in den Norden zu fahren. Die Menschen müssen nicht mehr 40 Stunden in einem stickigen Büroraum sitzen, denn durch Arbeitszeitverkürzungen, den Ausbau von 5G und flächendeckende Sanierungen von Gebäuden, haben sie die Möglichkeit im Park oder in der gekühlten Wohnung zu arbeiten und ihre Freizeit zu genießen.

Der Klimawandel ist hier. Die Auswirkungen merken wir bereits und wir werden auch im Jahr 2050 damit konfrontiert werden. Wie unser soziales System darauf reagieren wird, das können wir mitentscheiden. Ohne die sozialdemokratische Brille, werden die Ungleichheiten durch die Klimakrise verschärft werden. Während ein paar Privilegierte Anpassungen treffen können, wird der Rest und hier vor allem Menschen mit einem geringen Einkommen nicht diese Möglichkeiten haben. Wir müssen daher ein System schaffen, in dem jeder und jede Zugang zu leistbaren Lebensmitteln, Erholungsgebieten oder einer kühlen Wohnung haben kann. Das kann aber nur passieren, wenn wir die tief verankerten Ungleichheiten nicht ausblenden, sondern in die Diskussion miteinbeziehen.